Noch vor wenigen Jahrzehnten konnte nur das sichtbare Licht von Himmelskörpern
mit optischen Teleskopen beobachtet werden. Sterne wurden beobachtet und
deren Positionen vermessen. Die Geodäten und Seefahrer vergangener Jahrhunderte
benutzten bekannte Sternpositionen, um daraus ihren eigenen Standort auf
der Erde zu bestimmen.
Mit den Arbeiten von Jansky wurde 1931 der Grundstein
zur Erforschung des Weltraums im Radiofrequenzbereich gelegt. Jansky stellte
fest, daß Himmelskörper neben dem sichtbaren Licht Radiowellen aussenden.
Nach den verschiedenen Empfangstechniken unterscheidet man heute daher zwischen
optischer Astronomie und Radioastronomie.
Radioteleskope werden seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wissenschaftlich genutzt; anfangs wurden sie (und werden bis heute) als Einzelinstrumente eingesetzt, dabei ist jedoch ihr räumliches Auflösungsvermögen aufgrund der großen Wellenlängen im Radiofrequenzbereich gering (im Bereich der Bogenminute). Seit den 60er Jahren, genauer seit hochgenaue Atomuhren verfügbar sind, kann man Radioteleskope auch im Verbund und mit sehr großem räumlichen Abstand voneinander (Very Long Baseline Interferometry = VLBI) einsetzen, dabei steigt das Auflösungsvermögen unter die Millibogensekunde (abhängig vom Abstand der beteiligten Teleskope).
| Bild zum Messprinzip | RTW 20m Radioteleskop Wettzell |
![]() |
Bildbeschreibung Weit
voneinander entfernte Radioteleskope empfangen Radiowellen von kosmischen
Radioquellen (Quasare). |
In diesem Fall registrieren mehrere (mindestens 2, im Extremfall bis zu
20) Einzelteleskope gleichzeitig das Radiosignal (Weißes Rauschen) des selben Radiosterns (Quasar).
Das Signal breitet sich im Weltraum als Kugelwelle aus. Mit wachsender Entfernung
wird die Krümmung der Kugelwelle immer geringer.
Nach ca. 10 Milliarden Lichtjahren
(soweit sind Quasare etwa von der Erde entfernt) trifft das Signal mit ebenen
Wellenfronten auf die gesamte Erde (siehe Skizze).
Je nach dem, wo sich die
Empfangsstationen auf der Erde befinden, tritt bei der Registrierung der
Radiosignale ein Zeitverzug "
"
gegenüber den Partnerstationen auf.
Jede Messstation zeichnet das Radiosignal
zusammen mit hochgenauen Zeitmarken, welche eine Atomuhr bereitstellt, in
digitaler Form auf.
Alle an einer VLBI Messung beteiligten
Radioteleskope schicken ihre Messdaten zu einem Datenauswertezentrum mit
einem speziellen Großrechner (= Korrelator). Dort wird für jede Einzelmessung
diese Zeitdifferenz der Emfangssignale"
"
durch Korrelation ermittelt.
Diese Rohdaten werden schließlich in Datenbanken
gespeichert und lassen sich auf vielfältige Weise wissenschaftlich nutzen:
| Astronomie: | Bilder der beobachteten Radioquellen werden erstellt und untersucht. | |||
| Astrometrie: | Positionen der beobachteten Radioquellen werden eingemessen. Die Quasarpositionen sind in Katalogen zusammengestellt. Sie bilden das raumfeste Bezugssystem ICRF (International Celestial Reference Frame) |
|||
| Geodäsie: | Ihre Messziele im Zusammenhang mit VLBI sind die Ermittlung der:
|
Auf Grund der hohen Genauigkeit finden diese Meßergebnisse auch Eingang in die Geophysik (Meteorologie, Ozeanografie, Erdbebenforschung) und ermöglichen Rückschlüsse auf Vorgänge und Bewegungen im Erdinneren, die auf andere Weise nicht möglich sind.